Drei Tage Fachberatung Kleingarten in Hagenow – ein Rückblick
Vom 28. bis 30. August hat der Landesverband der Gartenfreunde Mecklenburg und Vorpommern e.V. im schönen Hagenower Kleingartenverein „Zur Reichsbahn“ zur Ausbildung neuer Fachberater eingeladen. Zusammengefunden haben sich lauter Gartenfreundinnen und Gartenfreunde, vorwiegend aus ganz Mecklenburg – immerhin drei von uns aus Rostock. Im Vereinshäuschen wurden wir bestens versorgt: belegte Brötchen und Kaffee am Morgen, mittags Würstchen vom Grill.
Unser Dozent war Dipl.-Ing. Sven Wachtmann, langjähriger Landesgartenfachberater in Berlin und mittlerweile Beauftragter für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit im Bezirksverband Berlin-Marzahn. Er hat seine langjährige Erfahrung und seinen breiten Wissensfundus mit uns geteilt – praxisnah, unter anderem bei einem Rundgang durch die Kleingartenanlage mit einer Demonstration zum Obstbaumschnitt. Viel Raum blieb dabei auch für eigene Erfahrungsberichte und Diskussionen unter den Gartenfreundinnen und -freunden.
Rechtliche Aspekte in der Fachberatung
Schon am ersten Vormittag wurde klar, wie viel mehr hinter dem Titel „Fachberatung“ steckt, als man zunächst denkt. Bei der Mitgliedschaft in einem Kleingartenverein geht es eben nicht nur darum, zentnerweise Kartoffeln von der Parzelle zu karren. Es geht darum, die Fläche dauerhaft als Produktionsort für gesundes Obst und Gemüse zu erhalten und weiterzuentwickeln, den Garten als Lebensraum für Tiere zu begreifen – und sich den Herausforderungen des Klimawandels zu stellen. Und nicht zuletzt geht es um das rechtliche Ökosystem einer Kleingartenanlage.
Laut Sven Wachtmann machen rechtliche Belange inzwischen etwa drei Viertel der Arbeit der Fachberatenden aus. Häufige Streitpunkte sind dabei Fragen zur kleingärtnerischen Nutzung, zu Abstandsregeln oder Nachbarschaftskonflikte. Sven Wachtmann brachte es in einem Satz auf den Punkt: „Vielen Menschen ist beim Eintritt in einen Kleingartenverein gar nicht klar, worauf sie sich eigentlich einlassen – ich pachte eben nicht einfach ein Stück Rasen, auf dem ich einen Pool aufstelle und die Kinder Fußball spielen können, sondern ein Stück Land, das nach bestimmten Regeln bewirtschaftet werden soll.“
Genau hier kann gute Aufklärung im Vorfeld viel abfedern. Im Lehrgang wurden dafür ein paar bewährte Ansätze genannt: Bewerber reichen vorab einen Gartennutzungsplan ein, in dem sie ihr Vorhaben darstellen; auf Bezirksebene gibt es Neupächterschulungen; und manche Vereine verlangen eine Kaution, die im Bedarfsfall die Kosten einer Räumung abdeckt.
Gärtnern, wenn das Klima nicht mehr mitspielt
Ein weiterer Aspekt: Wie gärtnert man eigentlich, wenn Sommer heißer und Trockenperioden länger werden – während gleichzeitig der Wasserbedarf steigt, weil die Pflanzen durch die stärkere Verdunstung immer mehr Durst bekommen? Ein echtes Dilemma, das nicht nur die Landwirtschaft betrifft, sondern eine Herausforderung für jeden Gartenfreund darstellt. Ich möchte dazu meine wichtigsten Erkenntnisse mit euch teilen:
Gezielt statt großzügig gießen: Die Devise lautet seltener, aber intensiver – und möglichst direkt in den Wurzelbereich statt großzügig nach dem Gießkannenprinzip verteilt. Tropfbewässerung wurde uns als besonders effektiv ans Herz gelegt, idealerweise sogar bedarfsgesteuert und an den Bodenwassergehalt gekoppelt. Für Bäume – egal welcher Größe – empfahl man uns Wassersäcke, und jede Pflanze sollte grundsätzlich einen Gießrand haben.
Boden als Wasserspeicher pflegen: Auch der Boden selbst braucht durch den Klimawandel mehr Aufmerksamkeit: Höhere Temperaturen beschleunigen den Humusabbau, weshalb regelmäßiges Nachliefern von Humus wichtiger wird. Mineralischer Dünger wurde dabei eher kritisch gesehen – er schädigt Bodenlebewesen und hilft der Pflanze nur kurzfristig. Besser: Fruchtfolge, Mischkultur und Gründüngung, damit der Boden möglichst nie offen liegt.
Der Garten als Klimagarten: Unter dem Stichwort „Klimagärten“ hat sich in den letzten Jahren ein eigenes Konzept etabliert – etwa in der Klimakampagne des Landesverbandes Berlin der Gartenfreunde, die gemeinsam mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung entwickelt wurde. Die Grundidee: Kleingärten sollen nicht nur an den Klimawandel angepasst werden, sondern selbst einen aktiven Beitrag zum Stadtklima leisten – als kühlende „grüne Klimaoasen“, die Regenwasser aufnehmen, die Artenvielfalt fördern und Starkregen abpuffern. Konkret empfohlen werden dafür unter anderem eine ganzjährige Bodenbedeckung durch Mulch und Gründüngung, das Sammeln und Nutzen von Regenwasser, der Verzicht auf chemisch-synthetische Dünger und Pestizide sowie die Wahl hitze- und trockenheitstoleranter, standortgerechter Pflanzen. Auch naturbelassene Ecken, Wildsträucher und Nützlingsunterkünfte gehören dazu – ein Garten, der dem Klimawandel nicht nur trotzt, sondern aktiv etwas entgegensetzt.
Für mich waren es drei Tage, die sich wirklich gelohnt haben. Wer sich selbst weiterbilden möchte – vielleicht die dunklere Jahreszeit dafür nutzen will – findet dazu einen umfangreichen Fundus und auch Online-Lehrgänge, sodass man sich bequem von der Couch oder Gartenbank aus weiterbilden kann:
Gartenfachberatung & Weiterbildung, Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V.
oder natürlich auch im eigenen Verband vorbeischauen: Gartenfreunde Rostock
(Beitrag von Franziska, Parzelle 1)



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